Seit ich denken kann, waren meine Gefühle zu stark für mich. Wut und Trauer stürmten in mir. Überforderung und Zusammenbrüche waren das Resultat des Zurückhaltens meiner Gefühle. So liess ich es raus. Als Kind war es das Schreien und das Weinen, und als ich älter wurde, war es das Boxen in die weisse Kinderzimmerwand, bis sie rot wurde. Es war für mich nie einfach, in der Balance zu sein. Kein Einklang und kein Gleichgewicht, denn die Melancholie und Wut waren immer zu mächtig. Auch heute noch. Das wütende Gefühl im Magen und der Kloss im Hals haben mich nie verlassen. Ich spüre und fühle so viel, dass es rausmuss.

Doch heute sind meine Fingerknöchel verheilt, und ich habe verlernt, wie man schreit. Doch das Gefühl blieb das Gefühl bleibt. Doch ich schreibe. Darüber und darunter. Seit meinem ersten Text sind etwa 17 Jahre vergangen. Seit meinem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit fast 4 Jahre und mein erster Slam ist fast 3 Jahre her. Das Schreiben ist mein Gleichgewicht, mein Einklang und mein Weg in die Welt hinaus. Heute schreibe ich jeden Tag: Gedichte, Texte, Artikel, Kolumnen, Voten und Bühnenspiele traurig, wütend, melancholisch, ernst, politisch, lustig und leicht. Das Schreiben wurde nicht nur ein grosser Teil meines Lebens, sondern es wurde auch ein grosser Teil von mir. Und die dunklen Gassen der Nacht, die ich immer so fürchtete, wurden immer mehr mein Zuhause. So wurde aus dem schüchternen, emotionalen Jungen, dieser Poet der Gassen. Denn ich bin der Stein der Rebellion, der durch das Fenster fliegt, und zugleich bin ich das Fenster der Melancholie, das in tausend Teile zerbricht. Ich bin wie das Feuer der Zigarette, das letzte Licht in den dunklen Häuserschluchten. Ich bin die Kälte der nächtlichen Einsamkeit sowie die Gasse des Zusammenhaltes. Ich bin die Melancholie, die dich überfällt, und ich bin die Hoffnung, die die Dunkelheit aufhält.

Ich bin der Gassenpoet!